Pressemeldung vom 30. April 2020

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Corona-Krise: Raffinerien stellen Produktion um

Die deutschen Raffinerien produzierten im März mehr Heizöl. Foto: AdobeStock

Die Raffinerieproduktion in Deutschland ist infolge der Corona-Krise im März leicht zurückgegangen: Die Erzeugung von Mineralölprodukten in den 15 deutschen Raffinerien sank gegenüber März 2019 um 2,2 Prozent. Prof. Dr.-Ing. Christian Küchen, MWV-Hauptgeschäftsführer: „Unsere Raffinerien haben auf die veränderte Nachfrage sofort reagiert und ihre Produktion bestmöglich angepasst. In der Corona-Krise sind sie stabiler Anker für die Beschäftigung, für die deutsche Industrie und vor allem natürlich für die Verbraucher.“

So haben die Raffinerien die Herstellung von Flugkraftstoff deutlich zurückgefahren und gleichzeitig ihr Heizölangebot massiv erhöht. Insgesamt blieb die Raffinerieproduktion annähernd stabil. Küchen: „Wir müssen aber damit rechnen, dass der Gesamtabsatz schon im März deutlich stärker gefallen ist als die Raffinerieverarbeitung. Auch gelten Ausgangs-beschränkungen erst seit der letzten Märzwoche, sodass wir das ganze Ausmaß der Corona-bedingten Produktions- und Absatzrückgänge erst noch sehen werden.“ Die Zahlen zum Mineralölabsatz im März werden vom zuständigen Bundesamt Ende Mai veröffentlicht.

Produktion von Mineralölerzeugnissen in Deutschland, März 2020 gegenüber März 2019  

Benzin    -4,5 %
Diesel    -7,1 %
Heizöl +30,3 %
Flugkraftstoff  -25,8 %
Alle Produkte    -2,2 %

 

Insbesondere die Produktion von Flugkraftstoff wurde schon im März stark zurückgefahren. Dazu Christian Küchen: „Heizöl dagegen erlebt eine Sonderkonjunktur. Die Lieferanten arbeiten derzeit lange Bestell-Listen ab.“ Der Heizölpreis war seit Jahresbeginn von über 70 Euro je 100 Liter im Bundesdurchschnitt derzeit auf zuletzt rund 40 Euro gefallen.

„Politik muss die Chance auf mehr Klimaschutz nach Corona nutzen“

In der Zeit „nach Corona“ habe die Politik „die große Chance, ein Konjunkturprogramm mit einem Neustart in der Klimapolitik in den Bereichen Verkehr und Wärme zu verbinden“, führte Küchen weiter aus. „Das heißt: Umstellung der heutigen Energiesteuer auf eine echte CO2-Bepreisung und Anerkennung klimafreundlicher Kraftstoffe in der CO2-Flotten-regulierung der EU für Pkw.“

Beides würde die Marktchancen von CO2-armen Kraftstoffen wie Biofuels und synthetischen E-Fuels erhöhen. „Für beides sollte sich die Bundesregierung im Rahmen ihrer anstehenden EU-Ratspräsidentschaft einsetzen. Der Green Deal bietet dafür den perfekten Anlass.“

Ein weiterer Punkt sei mehr staatliche Förderung von Investitionen in die Forschung und ein Markteinführungsprogramm für klimafreundliche Kraftstoffe und Brennstoffe. „Wenn die Wirtschaft wieder in Fahrt kommt, müssen die erneuerbaren Kraft- und Brennstoffe eine sichere Perspektive zum Markthochlauf haben. Nur so gelingt Klimaschutz nachhaltig und bezieht auch die bestehende Fahrzeugflotte ein.”

Die Politik müsse der Versuchung widerstehen, beim Wiederhochfahren der Wirtschaft einseitig auf bestimmte Technologien zu setzen, so Küchen abschließend: „Verbrennungsmotor und Klimaschutz sind kein Widerspruch, wenn die Bundesregierung stärker auf klimafreundliche Kraftstoffe setzt.“

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