CO2-Emissions­handel und Raffinerien

Die Mineralölindustrie befürwortet den EU-Emissionshandel als marktbasiertes Instrument zur kosteneffizienten Reduktion der Treibhausgase. Jedoch muss der Regulierer gleichzeitig darauf achten, dass der deutsche und europäische Raffineriesektor seine internationale Wettbewerbsfähigkeit behält.

Ja zum Verursacherprinzip,
nein zu übermäßigen Belastungen

Die Mineralölverarbeitung gehört zu den energieintensiven Industrien in Deutschland und den am stärksten vom europäischen Emissionshandelssystem betroffenen Industriezweigen. Die Mineralölindustrie unterstützt den Emissionshandel ausdrücklich, um die Reduktion von Treibhausgasemissionen nach dem Verursacherprinzip möglichst kosteneffizient unter Nutzung von Marktmechanismen zu erreichen. Entscheidend für den Raffineriestandort Deutschland ist dabei, dass den Raffinerien keine unangemessenen Kosten entstehen, die zum Verlust von Wettbewerbsfähigkeit, zu Investitions- und langfristig Produktionsverlagerungen und damit zur Verlagerung von CO2-Emissionen führen.

Trotz aktuell relativ niedriger CO2-Preise führt der Emissionshandel bereits heute zu signifikanten Kostenbelastungen für den Raffineriesektor. Denn im Vergleich zu anderen Industriezweigen ist die Benchmark für Raffinerien relativ scharf. Die Folge ist eine erhebliche Unterdeckung bei den frei zugeteilten Zertifikaten, englisch European Emission Allowances (EUA): Wie aus den Daten der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) von 2015 hervorgeht, betrug die Unterdeckung 19 %.

 

Raffinerien weisen die höchste Unterausstattung der großen energieintensiven Industriesektoren auf

EUA: European Emission Allowances
Quelle: DEHSt, VET-Bericht 2015, Darstellung: 5 Industriesektoren mit den höchsten verifizierten CO2-Emissionen

Bei Herstellung von Raffinerieprodukten außerhalb der EU fallen 35 % mehr CO2-Emissionen an. *

Da die Mineralölverarbeitung nicht bei den Sektoren berücksichtigt ist, die eine Strompreiskompensation erhalten, belasten zudem indirekte CO2-Kosten die Standorte.

Je nach Entwicklung des CO2-Preises könnten in der 3. Handelsperiode Gesamtkosten für die deutschen Raffnierien von bis zu 1 Mrd. € bis 2020 entstehen. In der 4. Handelsperiode ab 2020 ist eine weitere Verschärfung der Zuteilungsregeln in Verbindung mit einem politisch angestrebten deutlich höheren CO2-Preisniveau geplant. Dadurch würde die Belastung für den Raffineriesektor in Deutschland auf insgesamt 2,6 bis 4,2 Mrd. €  ansteigen.

Aus Sicht der deutschen Mineralölwirtschaft besteht daher bei zentralen Regelungen des Vorschlags der Europäischen Kommission zur Revision der Emissionshandelsrichtlinie vom Juli 2015 noch erheblicher Nachbesserungsbedarf, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Raffinerien nicht zu gefährden.

Der MWV fordert im Einzelnen:

die Mineralölverarbeitung in die Liste der beihilfefähigen Sektoren zur Kompensation indirekter Kosten aufzunehmen.

den Raffineriesektor als Carbon Leakage-gefährdeten Sektor anzuerkennen und die effizientesten Raffinerien (Benchmark-Anlagen) mit 100 % freier Zuteilung auszustatten.

die Benchmarks für die Zuteilung von Emissionszertifikaten auf Basis realer Daten vor Beginn der 4. Handelsperiode nachzujustieren, um zu realistischen Anforderungen zu kommen.

einen fairen Anteil an der freien Zuteilung der Industrie zur Verfügung zu stellen und die Anwendung eines Korrekturfaktors zu vermeiden, damit eine 100 % freie Zuteilung für Benchmark-Anlagen sichergestellt wird.

die Zertifikate-Zuteilung noch stärker an aktuellen Produktionsniveaus auszurichten, z. B. durch eine aktivitätsbasierte Zuteilung.

wichtige Regelungsinhalte, insbesondere solche, die erheblichen Einfluss auf die freie Zuteilung haben, in der Richtlinie zu regeln und nicht in delegierte Rechtsakte zu verschieben.

*Quelle: Vivid Economics for UK Government, Department of Energy & Climate Change (DECC) – Case study on Refining – Carbon leakage prospects under Phase III of the EU ETS and beyond

Finden Sie hier weiterführende Publikationen

Raffinerie-Broschüre Position von Fuels Europe Studien im Auftrag des MWV

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