Warum das Effizienz-Argument bei E-Fuels nicht zieht

In der Diskussion um das beste Mobilitätskonzept der Zukunft wird häufig Effizienz als Hauptkriterium genannt. Doch das lenkt eher von entscheidenden Frage ab: Wie kann man den Verkehrssektor so schnell und effektiv wie möglich klimaneutral gestalten?

Der reine Effizienzvergleich ist unvollständig

Klimaschutz lautet das oberste Gebot unserer Zeit – auch im Verkehr. Die Abwägung zwischen Elektromobilität, Wasserstoff-Auto oder klimafreundlichen Kraftstoffen wie modernen Biofuels oder synthetischen E-Fuels wird aber oft allein daran festgemacht, wie “effizient” diese Lösungen mit der eingesetzten Energie umgehen. Doch ausgerechnet diese Betrachtung ist beim eigentlichen Ziel, dem effektiven Klimaschutz, nicht zielführend.

Vergleichen zufolge benötigt ein batterieelektrisches Fahrzeug für 100 km Strecke vermeintlich nur 15 Kilowattstunden (kWh) Strom. Bei einem Brennstoffzellen-Fahrzeug sind es demnach 31 kWh, bei Power-to-Gas-Fahrzeugen (aus Ökostrom gewonnenes Gas) 93 kWh und bei Power-to-Liquid, also E-Fuels, 103 kWh. Diese Aufzählung ist allerdings einseitig und lässt wichtige Aspekte unberücksichtigt:

  • Der Effizienz-Vergleich ist rein theoretisch. Für eine komplette Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen müssten große Energiemengen z.B. in Form von Wasserstoff zwischengespeichert werden, um Perioden mit geringer Stromproduktion zu überbrücken. Dabei fallen ebenfalls hohe Umwandlungsverluste an, die bislang nicht berücksichtigt werden.
  • Der Effizienz-Vergleich funktioniert nur bei Energieautarkie. Deutschlands Energiebedarf ist so groß, dass der überwiegende Teil auch in Zukunft durch Importe gedeckt werden muss. Hierfür bieten sich in erster Linie klimaneutrale gasförmige und flüssige Energieträger an, die künftig klimaneutral werden müssen.
  • Der Effizienz-Vergleich setzt ideale Bedingungen voraus. Unter realen Bedingungen sind E-Fahrzeuge deutlich ineffizienter als in Norm-Angaben, etwa durch den Einsatz von Schnellladern oder bei kalter Witterung. Sie können zudem nicht alle bestehenden Nutzungsszenarien uneingeschränkt abdecken, darunter Langstrecken oder Fahrten mit Anhänger.

Unter Berücksichtigung dieser Aspekte lässt sich keine pauschale Aussage mehr treffen, welche Technologie am effizientesten für den Klimaschutz im Verkehrssektor ist. Die reine Effizienzbetrachtung ist also kaum hilfreich, um eine klimaneutrale Zukunft mitzugestalten.

Effektiver Klima- und Umweltschutz:
Was zählt wirklich?

Letztendlich geht es beim Klima- und Umweltschutz um das Ergebnis: Wie können wir möglichst schnell und nachhaltig möglichst viele CO2-Emissionen einsparen? Drei Aspekte sind dafür besonders wichtig:

  • Nachhaltigkeit. Bei der Verwendung von 100% Ökostrom können nicht nur E-Autos nachhaltig betankt, sondern auch Wasserstoff und E-Fuels nahezu klimaneutral hergestellt werden. Zwar wird für die Produktion von Wasserstoff und E-Fuels mehr Strom benötigt als für die direkte Nutzung um E-Auto. Allerdings können die grünen Kraftstoffe gespeichert und transportiert werden.
  • Schnelle und umfassende Einführung. In Deutschland gibt es 2020 mehr als 56 Millionen Pkw und Nutzfahrzeuge. Studien haben gezeigt, dass es zu lange dauert, um die Klimaziele rein durch Ersatz durch E-Autos zu erreichen. E-Fuels sind daher eine unverzichtbare Ergänzung und ermöglichen es, auch mit einem bestehenden Fahrzeug zum Klimaschutz beizutragen.
  • Bezahlbarkeit und soziale Fairness. Für viele Bürger ist das Auto für Beruf und Alltag unverzichtbar. Es wird aber auch in Sonderstuationen gebraucht: Die Corona-Krise hat gezeigt, wie notwendig es sein kann, ohne Ansteckungsgefahr zum Arbeitsplatz zu gelangen, etwa für Personal von kommunalen Versorgern oder Krankenhäusern. Die Effizienz der Übertragungsenergie ist da nur ein Aspekt unter vielen.

Neben den CO2-Emissionen sind weitere Umweltaspekte wichtig. Ein Beispiel: Die Herstellung einer E-Auto-Batterie ist mit hohem Energieaufwand und Rohstoffeinsatz verbunden. Bei geringer Fahrleistung oder hohen Reichweiten kann daher ein bereits existierendes Fahrzeug, das mit E-Fuels betankt wird, über die Lebensdauer hinweg die deutlich nachhaltigere Lösung sein.

Fazit: Technologievielfalt ist gefragt

Der Vergleich aller Aspekte rund um individuelle Mobilität zeigt, dass der Ausschluss bestimmter Technologien anhand einzelner technischer Parameter wie der Effizienz kontraproduktiv für den Klima- und Umweltschutz ist: Es kommt aus Klimaschutz-Perspektive zu subobtimalen Ergebnissen. Dagegen geben ein umfangreiches Angebot und die technologieoffene Förderung verschiedener klimafreundlicher Alternativen dem Verbraucher die nötige Entscheidungsfreiheit und sorgen für Akzeptanz.

Menschen benötigen eine Mobilitätslösung, mit denen die Klimaziele erfüllt werden und gleichzeitig zu ihren jeweiligen Ansprüchen in Bezug auf Bezahlbarkeit, Reichweite und Zuverlässigkeit gerecht wird.

Der MWV setzt sich daher dafür ein, dass alle klimafreundlichen Technologien gleichermaßen gefördert werden und in fairem Wettbewerb miteinander für effektiven Klimaschutz sorgen.

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