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Hier finden Sie Antworten auf einige immer wieder gestellte Fragen zur Preisbildung am Rohölmarkt und an Tankstellen. Wie funktioniert der Weltölmarkt? Welche Bedeutung hat die OPEC? Wie lange reichen die weltweiten Ölvorräte eigentlich noch?

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Welche Faktoren bestimmen den Benzinpreis?


Der Benzinpreis setzt sich zusammen aus...

Den größten Anteil der Treibstoffpreise an den Tankstellen machen die Steuern aus. Allein die Mineralöl- und Ökosteuer auf Benzin beläuft sich inzwischen auf 65,5 Cent pro Liter (Mineralölsteuer: 50,1 Cent, Ökosteuer: 15,4 Cent). Die Mehrwertsteuer von 19 % wird auch auf die Mineralöl- und Ökosteuer erhoben und macht bei einem Preis von 150 Cent 24 Cent pro Liter aus. Bei einem Tankstellenpreis von 150 Cent pro Liter Benzin zahlen die Autofahrerinnen und Autofahrer also 89,4 Cent pro Liter an Steuern. Damit fließen 60 Prozent des Benzinpreises in die Kassen des Staates.

Deutschland ist für seine Ölversorgung nahezu vollständig von Importen abhängig. Daher richtet sich der Wareneinstandspreis (Importkosten) nach der Entwicklung auf den internationalen Ölmärkten. Diese werden wie alle Börsen oft weniger von fundamentalen Marktdaten als vielmehr von Erwartungen, Einschätzungen, also psychologischen Faktoren bestimmt. Der für Europa preisbestimmende Markt ist der Rotterdamer Spotmarkt.

Öl wird an den internationalen Märkten in Dollar gehandelt. Daher wird die Höhe der Preise in Deutschland auch vom Wechselkurs des EURO zum Dollar beeinflusst. So stiegen die Notierungen für Eurosuper zwischen Januar und Juni 2008 in Dollar um 42 Prozent, in Euro erhöhten sich die Notierungen dagegen nur um 34 Prozent. Das Erstarken des EURO hat den Preisauftrieb deutlich abgeschwächt.

Von den Mineralölgesellschaften beeinflussen lässt sich nur der Deckungsbeitrag, der die Vermarktungkosten und den Gewinn umfasst. In ihm sind die Kosten für die gesetzliche Bevorratung, Forschung und Kraftstoffentwicklung, den Transport, den Bau und die Erhaltung von Tankstellen, die Lagerhaltung, Personalkosten, Verwaltung, Vertrieb und der Gewinn enthalten. Der Deckungsbeitrag lag im Jahresdurchschnitt 2006 für Eurosuper bei 8,6 Cent pro Liter und im Jahr 2007 bei 9,1 Cent pro Liter. Wegen des harten Wettbewerbs im Tankstellensektor gelingt es nicht immer, die Produktkosten vollständig an die Autofahrerinnen und Autofahrer weiterzugeben.

Für die Höhe des Deckungsbeitrags spielt der Wettbewerb der knapp 15.000 Tankstellen untereinander eine wichtige Rolle. Dass dieser Wettbewerb sehr hart ist, zeigt der Vergleich der Benzinpreise in der Europäischen Union : Ohne die Steuern gehört Deutschland zu den preiswertesten Ländern in der EU.


Weitere Informationen zum Thema "Who gets what from imported oil?" finden sich auf der Website der OPEC.

Steueranteil am Benzinpreis


Der Steueranteil am Benzinpreis ist im Laufe der Jahre kontinuierlich gewachsen. Die Mineralölsteuer auf Benzin erhöhte sich allein seit Beginn der 90er Jahre um gut 36 Cent und beträgt heute einschließlich der Ökosteuer 65,5 Cent pro Liter. Die Mehrwertsteuer von 19 % wird nicht nur auf den Warenpreis erhoben, sondern auch auf die Mineralölsteuer, so dass der Steueranteil zurzeit rund 60 Prozent des Benzinpreises ausmacht: Bei einem Benzinpreis von 150 Cent pro Liter fließen 89,4 Cent in die Taschen des Fiskus.

Von internationalen Gesellschaften bis zu „freien“ Unternehmern


Mit rund 1.500 Tankstellenunternehmen weist Deutschland eine große Anbietervielfalt und eine wettbewerbsintensive Marktstruktur auf. Der Einfluss der internationalen Mineralölgesellschaften auf die Kraftstoffpreise im Tankstellenmarkt wird regelmäßig überschätzt. Auf der anderen Seite wird die Stärke der kleineren Markenunternehmen und mittelständischen Tankstellenbetreiber regelmäßig unterschätzt.

Knapp 7.000 der rund 15.000 Tankstellen in Deutschland werden unter den bundesweit vertretenen Marken von BP-Aral, Shell, Esso oder Total geführt. Die restlichen gut 8.000 Stationen – oder 55 Prozent – gehören hingegen zu einer der regional orientierten Marken oder sind freie Tankstellen. Ein Großteil dieser nicht den großen Markengesellschaften gehörenden Stationen wird von Mittelständlern betrieben. Deren Netze umfassen z.T. über 200 Tankstellen (Beispiel: HEM-Tamoil, Westfalen AG); einige arbeiten aber auch als „Einzelkämpfer“. Regional stark sind auch die mittleren Markengesellschaften wie beispielsweise OMV, Agip und PKN Orlen.

Dazu kommt noch eine Reihe von branchenfremden Anbietern (Supermärkte). Sie betreiben das Kraftstoffgeschäft quasi nebenbei. Anders als Tankstellenunternehmer sind sie nicht auf ein auskömmliches Einkommen aus dem Betrieb des Tankstellengeschäfts angewiesen.

Durch die Unternehmensfusionen (BP–Aral und Shell–DEA) und die damit verbundenen Auflagen der Wettbewerbsbehörden ist die Rolle der mittelgroßen und mittelständischen Unternehmen im Tankstellenmarkt weiter gestärkt worden. Der Wettbewerb hat sich seit den Zusammenschlüssen intensiviert.

Regionale Unterschiede


Die Ursache für regional und lokal unterschiedliche Benzinpreise ist der Wettbewerb zwischen den vielen Anbietern in diesem Markt. Neben den Preisbewegungen an den internationalen Ölmärkten spielt dieser Wettbewerb der Tankstellen eine wichtige Rolle bei der Preisbildung. So gibt es oft branchenfremde Anbieter wie z.B. Supermärkte, die durch extrem niedrige Tankstellenpreise Kunden zum Einkauf in ihrem Markt bewegen wollen und die die Verluste an ihren Zapfsäulen durch Gewinne im Hauptgeschäft ausgleichen. Die „Fachgeschäfte“, also die Tankstellen, sind dadurch gezwungen, ihr Preisniveau an das des Billiganbieters anzunähern und zeitweise sogar Verluste in Kauf zu nehmen, um ihre Kunden nicht zu verlieren.

Jedes der rund 1.500 Tankstellenunternehmen mit den insgesamt knapp 15.000 Stationen ist daher ständig darum bemüht, die Aufmerksamkeit der Autofahrer zu gewinnen – sei es durch attraktive Kraftstoffpreise, neue Shop-, Wasch- und Serviceangebote oder durch Investitionen in den Standort.

Auch die Markentankstellen untereinander stehen in einem harten Wettbewerb. Da der Tankstellenmarkt so transparent ist wie kein anderer Markt und die Autofahrerinnen und Autofahrer bei Preisdifferenzen zwischen verschiedenen Tankstellen i.d.R. die Station mit den niedrigsten Preisen anfahren, wird das Verhalten der Wettbewerber im Markt genau beobachtet und auf Veränderungen sofort reagiert. Daher richtet jeder einzelne Tankstellenbetreiber ein Auge auf seine Wettbewerber in unmittelbarer Nachbarschaft. Ihre Angebote werden in der Regel mindestens einmal täglich ins Visier genommen. Die Kraftstoffpreise sind somit ständig in Bewegung.

Der Wettbewerb der Markentankstellen ist in den vergangenen Jahren härter geworden, da die einzelnen Gesellschaften versuchen, ihren Marktanteil in einem Markt zu behaupten, der durch einen deutlichen Nachfragerückgang und durch Überkapazitäten gekennzeichnet ist – viele Tankstellen müssen um ihre Wirtschaftlichkeit kämpfen. Letztlich wirken sich die Preiskämpfe der Markengesellschaften signifikant auf das Preisniveau in Deutschland insgesamt aus.

Preissteigerungen zu Ferienbeginn?


Die Behauptung, zu Ferienbeginn stiegen die Benzinpreise, ist so falsch wie sie alt ist. Die Preisbewegungen an den internationalen Märkten richten sich nicht nach Ferienanfängen in den deutschen Bundesländern. Aber bei einer Vielzahl von Versuchen, gestiegene Beschaffungskosten an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterzugeben, sind Ferienzeiten allerdings nicht ausgenommen. So gab es im Jahr 2007 mehr als 100 Preiserhöhungsversuche an den deutschen Tankstellen, also deutlich mehr als eine Preiserhöhung pro Woche – und über 200 Preissenkungen. Nach jeder Erhöhung bröckeln die Preise gewöhnlich auf Grund des starken Wettbewerbs schnell wieder ab.

Bei entsprechender internationaler Marktentwicklung kommt es auch in Ferienzeiten zu deutlichen Preisrückgängen. So waren in den zehn Jahren von 1995 bis 2004 die Monate mit den jeweils höchsten und niedrigsten Preisen eines Jahres in den einzelnen Jahren völlig unterschiedlich verteilt. In den Ferienmonaten Juni, Juli und August findet sich in zehn Jahren nur einmal der höchste Monatsdurchschnitt des Jahres. Ebenso finden sich Jahre, in denen der niedrigste Monatsdurchschnitt in einen Sommermonat fiel. Ein kausaler Zusammenhang zwischen Ferienzeiten und hohen Preisen lässt sich keinesfalls feststellen. Der Trend der Preisentwicklung an den Tankstellen richtet sich nach der Weltmarktentwicklung, nicht nach deutschen Ferienzeiten.

Detaillierte Informationen finden Sie in der MWV-Publikation "Preisbildung an Tankstellen".

Tanktourismus


Der Tanktourismus, also die Fahrt in unsere europäischen Nachbarländer mit dem Hauptzweck zu tanken, hat in den vergangenen Jahren mit steigender Steuerbelastung des Benzins im Inland an Bedeutung gewonnen. Je größer die Preisunterschiede zwischen Deutschland und seinen Nachbarstaaten werden, desto größer werden auch die Grenzbereiche, in denen sich eine Fahrt zum Tanken in das Nachbarland lohnt. Die Folge davon ist, dass immer mehr Tankstellen in Grenzregionen in ihrer Existenz bedroht sind und viele bereits schließen mussten.

Die Ursache dieser Preisunterschiede sind die unterschiedlich hohen Steuersätze auf Benzin und Diesel in Europa. So liegen die deutschen Benzinpreise ohne Steuern im Vergleich mit den übrigen EU-Staaten regelmäßig am unteren Ende der Preisskala; mit Steuern zahlen die Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland jedoch mehr als in den meisten anderen EU-Staaten.

Der Tanktourismus als Folge unterschiedlicher Besteuerung hat dazu geführt, dass Luxemburg, das seit vielen Jahren relativ niedrige Steuersätze auf Benzin und Diesel erhebt, statistisch der Spitzenreiter beim Mineralölverbrauch in Europa ist und einen inzwischen fast fünf Mal so hohen Pro-Kopf-Verbrauch an Mineralöl ausweist wie der EU-Durchschnitt.

Dem deutschen Fiskus geht durch diese Hochsteuerpolitik viel mehr verloren als nur die entgangene Mineralöl-, Mehrwert- und Einkommensteuer. Gerade Tankkunden, die aus größerer Entfernung anreisen, kaufen häufig noch andere Artikel wie Zigaretten, Kaffee oder Spirituosen.

Preisgleichheit bei allen Wettbewerbern


Wegen der hohen Preistransparenz können an einer Tankstelle selbst geringfügig höhere Preise als die der Wettbewerber sofort zu Absatzverlusten an dieser Station führen. Auf Preissenkungen eines Wettbewerbers muss daher schnell reagiert werden. Dies führt zu einem kontinuierlichen Preisverfall, der an einem bestimmten Punkt durch Preiserhöhungen wieder aufgefangen wird. Auslösender Faktor für Preiserhöhungen ist also die kontinuierliche Senkung in der gesamten Branche sowie ein Anstieg der Produktenpreise auf dem für Europa preisbestimmenden Rotterdamer Markt, der alle Wettbewerber gleichermaßen trifft.

Preisunterschiede bei lokalen Wettbewerbern halten sich also immer nur sehr kurze Zeit. Autofahrerinnen und Autofahrer erwarten, an Markentankstellen vergleichbare, qualitativ hochwertige Produkte zu erhalten, und „bestrafen“ höhere Preise daher mit Abwanderung zum günstigeren Wettbewerber. Daher reagieren alle Gesellschaften schnell auf Veränderungen im Markt, was lokal und regional zu einer Angleichung der Tankstellenpreise führt.

Förderpolitik der OPEC


Auf die elf der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) angehörenden Staaten entfallen etwa 42 Prozent der weltweiten Ölförderung, und deutlich über die Hälfte des weltweit gehandelten Rohöls stammt aus ihren Quellen. Die OPEC ist damit ein maßgeblicher Anbieter am Weltmarkt, hat aber im Vergleich mit den 70er Jahren an Bedeutung verloren. Versuche in den 70er Jahren, Öl als Waffe einzusetzen, haben in den Öl importierenden Staaten zu einer Diversifizierung der Bezugsquellen und zur Entwicklung alternativer Energiequellen geführt.

Heute ist die Förderpolitik der OPEC darauf ausgerichtet, eine Rohölversorgung zu stabilen Preisen zu sichern. Mit einer mehrfachen Erhöhung der von ihr selbst festgelegten, offiziellen Förderquote haben die Mitglieder der OPEC 2004 und 2005 angesichts deutlicher Steigerungen der Rohölpreise versucht, zu einer Beruhigung der Ölmärkte beizutragen. Sie hatten damit jedoch keinen nennenswerten Einfluss auf die Ölpreise.

Die Ölpreise haben wegen einer weltweit starken Nachfrage nach bestimmten Produkten angezogen, nicht wegen einer Knappheit an Rohöl. Diese Nachfrage hat bei weit gehend ausgelasteten Raffineriekapazitäten zur Herstellung dieser Produkte den Ölpreis stärker beeinflusst als die Zusage der OPEC, die Förderung zu erhöhen. Hinzu kam die Sorge vor möglichen Versorgungsengpässen vor dem Hintergrund politischer Konflikte und hoch ausgelasteter Förderkapazitäten.

Preisbildung am Rohölmarkt


Die Rohölpreise bilden sich an den internationalen Ölmärkten, die auch von Emotionen, kurzfristigen Ereignissen und Spekulationen beeinflusst sind. Fundamentale Marktdaten wie Angebot und Nachfrage spielen oft eine geringere Rolle als psychologische Faktoren wie die Furcht vor krisenhaften Entwicklungen oder kriegerischen Auseinandersetzungen und Unsicherheit über politische Entwicklungen.

Ein großer Teil des Handels mit Rohöl und Mineralölprodukten wird heute über Spotmärkte abgewickelt. Sie dienen dem kurzfristigen Handel. Der Spotmarkt hat verschiedene Entwicklungsstufen durchlaufen. Er war ursprünglich nur ein Restmarkt für Raffinerieprodukte, weniger für Rohöl. In den 1970er Jahren weitete der Handel sich langsam auch auf Rohöl aus. Bis Ende der 1970er Jahre wurden allerdings höchstens 10 Prozent der internationalen Öllieferungen über die Spotmärkte gehandelt. Heute werden rund 40 Prozent des international gehandelten Rohöls über den Spotmarkt gehandelt.

Der für Europa und Deutschland relevante Markt ist der Rotterdamer Spotmarkt, ein „virtueller“, hoch spekulativer Markt. Seine Akteure sind über ganz Europa verstreut; Geschäfte werden untereinander mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel abgeschlossen. In den 1980er Jahren entwickelten sich neben dem Spotmarkt auch der Terminmarkt und die Terminkontraktbörse.

Die Börsen stießen anfangs bei der Ölindustrie auf Skepsis. Besorgt war man über die systembedingte Zulassung von marktfremden Akteuren. Und in der Tat wird die Preisbildung nicht einfacher dadurch, dass heute viele Akteure an den Börsen handeln und nur wenige Ölinteressen im Sinne von Risikominimierung und Versorgungssicherung verfolgen. Für die weitaus größte Zahl – rund 90 Prozent - ist der Ölterminhandel ein finanzielles Betätigungsfeld. Diese Broker, Fondsmanager und Investment-Banken, die so genannten Wall Street Raffineure, haben den Einfluss spekulativer Elemente auf den Weltölmärkten erhöht und die Preisschwankungen vergrößert. Es ist bezeichnend, dass nur 1-3 Prozent der Kontrakte bis zur physischen Fälligkeit gehalten werden. Zudem wird an den Börsen ein Vielfaches der tatsächlich physisch vorhandenen Rohölmengen gehandelt.


Für eine detailliertere Darstellung der Preisbildung am Rohölmarkt siehe die MWV-Publikation:
Preisbildung am Rohölmarkt

Preisbildung am Produktenmarkt



Die Preise an den Produktenmärkten bilden sich wie bei den Rohölmärkten, entwickeln sich jedoch nicht immer im Gleichklang mit diesen. An den Produktenmärkten wirken sich Angebot und Nachfrage nach Produkten mit bestimmten Spezifikationen gelegentlich unabhängig von der Rohölpreisentwicklung preisbeeinflussend aus.

Besonders deutlich war das z.B. in den vergangenen Jahren jeweils im Frühjahr, als eine verstärkte Nachfrage aus den USA nach Benzin am europäischen Markt die Notierungen für dieses Produkt - in den einzelnen Jahren unterschiedlich stark, aber immer spürbar - in die Höhe trieb. Die amerikanischen Raffinerien sind nicht in der Lage, die Nachfrage nach hochwertigen Kraftstoffen mit bestimmten Spezifikationen zu befriedigen, und die amerikanischen Händler versorgen sich am europäischen Markt. Die Folge dieser internationalen Nachfragesituation ist ein deutlicher Anstieg der Benzinpreise auch in Deutschland.

Eine weltweit hohe Nachfrage nach Mitteldestillaten (Diesel, leichtes Heizöl, Kerosin) hat dazu geführt, dass die Dieselnotierungen in den vergangenen Jahren angezogen haben und seit Frühjahr 2007 zeitweise sogar deutlich über denen von Benzin liegen.

Rohölpreisentwicklung



 Bei den Rohölpreisen hat es in den vergangenen Jahren starke Schwankungen gegeben. Während seit 1986 mit Ausnahme weniger Jahre die Rohölpreise zum Teil deutlich unter 20 Dollar pro Barrel lagen – Ende 1998/Anfang 1999 waren sie sogar auf rund 10 Dollar pro Barrel gesunken – zogen die Preise im Laufe des Jahres 1999 an und hatten sich bis zum Herbst 2000 gegenüber dem Frühjahr 1999 verdreifacht. Im Sommer 2008 erreichten sie mit über 140 Dollar pro Barrel neue Spitzenwerte.

Eine kurze Beruhigungsphase gab es 2001, in der es der OPEC gelang, mit ihrer Förderpolitik die Rohölpreise in der von ihr damals angestrebten Spanne zwischen 22 und 28 Dollar pro Barrel zu halten. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 ließen die Preise wegen der Angst vor einer weltweiten Rezession infolge der Anschläge sogar unter 20 Dollar pro Barrel sinken. Zwischen Anfang 2002 und Anfang 2003 hat die Sorge vor möglichen Auswirkungen kriegerischer Auseinandersetzungen im Nahen Osten eine Steigerung der Ölpreise auf über 30 Dollar pro Barrel bewirkt. Seit Mitte 2003 sind die Rohölpreise wegen weltweit steigender Nachfrage bei weit gehend ausgelasteten Raffineriekapazitäten und beeinflusst durch politische Entwicklungen (z.B. Konflikte im Nahen Osten, Streit um das iranische Atomprogramm, Unruhen in Nigeria) und Investitionen institutioneller Anleger im Ölmarkt bis auf Spitzenwerte von über 140 Dollar pro Barrel im Sommer 2008 geklettert.

Rohölreserven und -ressourcen



Die Aussage ”Öl reicht nur noch für 40 Jahre” ist so alt wie sie falsch ist. Würde sie zutreffen, hätten wir bereits seit vielen Jahren kein Öl mehr. Denn schon vor Jahrzehnten wurden solche ”Prognosen” mit z.T. deutlich geringeren Reichweiten abgegeben. Heute sind die Ölreserven mit 181 Milliarden Tonnen so groß wie nie zuvor.

Die Einschätzung der Reichweite der Ölreserven ist von einer Vielzahl ökonomischer und technischer Faktoren abhängig. Bei ihrer Berechnung werden nur die durch Bohrungen bestätigten Vorkommen zu Grunde gelegt, die bei gegenwärtigen Ölpreisen und mit heutiger Technik wirtschaftlich gewonnen werden können. Es werden also keine Lagerstätten als Reserven ausgewiesen, die zwar bekannt sind, aber erst bei höheren Preisen wirtschaftlich ausgebeutet werden können. Ebenso wenig ist der größte Teil der nicht-konventionellen Vorkommen erfasst, die in Ölschiefer und Ölsanden gebunden sind.

Fortschritte in der Fördertechnik erhöhen immer wieder die gewinnbaren Ölreserven. Höhere Reservenzahlen ergeben sich z.B. durch neue Bohrtechniken („Horizontalbohrung“), durch die Entwicklung von Methoden, Offshore-Bohrungen in immer tieferen Gewässern durchführen zu können, und durch verbesserte Methoden zur Steigerung des Entölungsgrades von Lagerstätten. Bezieht man diese Entwicklungen in die Bestimmung der Reichweite der Ölreserven ein, kommt man zu dem Ergebnis, dass die Ölvorräte auch in einigen hundert Jahren noch nicht erschöpft sein werden.


Weitere, zum Teil ausführlichere Informationen zu dem Thema finden Sie auf den Websites unserer Mitgliedsfirmen:

 Deutsche BP AG

 Esso Deutschland GmbH
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